Erfinder brauchen finanzielle Brücke, damit aus Ideen Markterfolge werden
LINZ. Schukra-Autositzlehnen von Wilhelm Schuster sind ein Milliarden-Dollar-Geschäft. Mangels Kapital musste der 86-jährige Linzer Erfinder das Patent verscherbeln. Die Wertschöpfung erfolgt heute großteils im Ausland. Kann das auch heute noch passieren?
Dieser Frage ging Forschungs-Landesrätin Doris Hummer mit den Oberösterreichischen Nachrichten nach, im Gespräch mit Senior-Erfinder Schuster und Jung-Innovator Alexander Krajete.
An den Ideen scheitert es nicht. 2009 haben fast 3000 Österreicher zum Patent angemeldet. Mit 765 kam der Großteil aus Oberösterreich. Die Prozedur wurde vereinfacht, seit 2009 sind Erfinder fünf Jahre von den Patentgebühren befreit.
Das Problem war schon früher und sei heute die Umsetzung, sagt der 86-jährige Multi-Erfinder Schuster: „Wir müssen die Ideen für Österreichs Volkswirtschaft sichern.“ Er selbst hält noch Schukra-Patente, auch für seine Sitzrevolution. Probleme bereite die Verwertung.
Die Kommerzialisierung seiner Idee ist auch für Jungforscher Alexander Krajete (36) die Engstelle. „Die Idee war einfach. Da hat es klack-klack im Kopf gemacht.“ Der Chemiker arbeitet bei Borealis in Linz, kann aber seine Erfindung, den Luftschadstoff Kohlendioxid mittels Mikroorganismen in Biogas zu verwandeln, freiberuflich entwickeln.
Beim Anlauf hilft das Land mit seinen Einrichtungen CATT und tech2b, mit einem Dienstleistungsprozess, der von der Ideenbewertung über Schutzrechts- und Förderberatung bis zur Technologieverwertung reicht. „CATT hat den Auftrag, Erfinder zu begleiten, damit aus Ideen Patente werden und daraus Produkte, Markterfolge und Arbeitsplätze“, sagt Landesrätin Hummer. tech2b ist das Sprungbrett, aus Ideen ein Unternehmen aufzustellen. In diesem Prozess befindet sich Krajete gerade.
„Wir beanspruchen eine globale Technologie, wollen vom Engineering über Konstruktion, Aufbau und Verkauf alles aus einem Unternehmen kontrollieren.“ In den nächsten drei Jahren benötige er rund vier Millionen Euro. „Ideen sind oft in Zentraleuropa entstanden, die Wertschöpfung fand dann in Japan oder den USA statt“, sagt Krajete. Private Finanziers seien in Österreich bemüht, wollen aber raschen Erfolg. Da fehle eine Finanzierungsbrücke.
Landesrätin Hummer will, dass das Land bald größere Projekte stemmen kann. „Wir werden für solche Zwecke bis 2011 einen Technikfonds im Wirtschaftsressort aufstellen.“
[Quelle: Oberösterreichische Nachrichten, 30.08.2010]